Starship Troopers verfolgt den Lebensweg von Johnny Rico ab dem Schulabschluss über seine Freiwilligmeldung für den Militärdienst und seinen weiteren Werdegang in der Mobilen Infantrie vom einfachen Rekruten bis zum Offizier. Der Roman führt uns durch die Banalitäten des Soldatenalltags ebenso wie durch die schwerwiegenden Entscheidungen, die Offiziere treffen müssen und die durchaus Hunderte oder Tausende von Menschen das Leben kosten können. Wir haben coole Kampfanzüge und Waffen. Wir haben mit den Bugs eine fremde Spezies, die als Schwarmintelligenz gänzlich anders funktioniert als die Menschheit – und auch diese ist gut gezeichnet. Und wir haben als Ausgleich zu der Action immer wieder hochinteressante gesellschaftsphilosophische Abschnitte, die den Roman deutlich von einfachem Crash! Boom! Bang! absetzen.

Von Starship Troopers habe ich zuerst die Verfilmung gesehen. Verhoevens Filmfassung ist ja eine abgrundtief böse Satire, die das Militär genauso glorreich inszeniert wie Heinleins Buch es tut, dies jedoch immer wieder mit gemeinen kleinen Inszenierungstricks bricht. Dadurch schafft der Film eine ironische Distanz (und das so intelligent, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften es nicht kapiert und den Film indiziert hat).

Diese Distanz geht Heinleins Buch völlig ab. Fairerweise werden dort immer wieder die Gründe thematisiert, aus denen diese Gesellschaft mit Prügel- und Todesstrafe und die Armee genau so funktionieren, wie sie funktionieren  – und es steht jedem Leser frei, darüber nachzudenken, ob er sich diesen Gründen anschließen möchte oder nicht. Wer sich diese Arbeit spart, bekommt allerdings allerfeinste Militär-ist-super-Indoktrination. Das ist nun wahrlich nicht mein Ding.

Unglücklicherweise muss ich zugeben, dass Heinlein vor über fünfzig Jahren beschrieben hat, wie und warum die Demokratien westlicher Prägung zusammengebrochen sind und wie daraus die militärisch geprägte Gesellschaft als neue, ausdrücklich nicht ideale, aber funktionierende Weltordnung hervorgegangen ist. Und leider bestehen viele von ihm damals prognostizierten Probleme heute tatsächlich ganz genau so wie im Roman dargestellt. Das finde ich ziemlich, ziemlich furchteinflößend.

Was ich fürs Schreiben gelernt habe:

Starship Troopers ist Heinleins zweiter Roman in Ich-Perspektive in dieser Artikelreihe – die Perspektive hat aber eine völlig andere Funktion als in Double Star. Johnny Rico ist eine viel weniger prägnante Figur. Eigentlich hat er überhaupt keine erkennbaren Charakterzüge außer jenen, die er durch seine militärische Ausbildung während der Romanhandlung erwirbt. Er eignet sich somit komplett als Projektionsfläche für den Leser und zieht einen in diese Geschichte hinein. Trotzdem ist er so realistisch und detailreich gezeichnet, dass man diese Leerstelle kaum bemerkt. Sehr geschickter Trick.

Ebenfalls ist bemerkenswert, wie die Elemente Charakterentwicklung, philosophischer Hintergrund, Technik und Plot miteinander verwoben werden. Das ist möglich dank der Ich-Perspektive – wenn es für die Erzählung sinnvoll ist, kann sich unser Held eben mal ausführlich ein Kapitel lang an seinen Schulunterricht erinnern. Letztlich ist das eine Rückblende und gilt unter modernen Erzählern als Teufelszeug. Aber Heinlein macht das so gut und behandelt in diesen Rückblenden so spannende Fragen, dass es sich völlig harmonisch, fast wie eine parallele Nebenhandlung, in den Roman einfügt.

Letztlich ist es Heinlein gelungen, mir eine völlig wesensfremde Weltsicht verständlich zu machen, nämlich die eines Soldaten. Ich muss sie natürlich nicht übernehmen, aber ich kann mir jetzt besser vorstellen, was in manchen Köpfen vorgeht. Insofern bin ich durch dieses Buch wirklich klüger geworden, und zwar über die rein schriftstellerischen Fähigkeiten hinaus.